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Präsentationsmaterial für Bauträger: Kosten und Umfang

Präsentationsmaterial für Bauträger: Was Renderings, 360°-Rundgang und Film für ein Neubauprojekt kosten — ehrliche Preisspannen aus der Praxis.

Präsentationsmaterial für Bauträger — Außenrendering eines Mehrfamilienhauses mit Vorplatz und Bepflanzung

Vor einiger Zeit rief mich ein Bauträger aus dem Rheintal an: „Wir brauchen ein paar Bilder für ein neues Projekt, zwölf Wohnungen, Vermarktungsstart in acht Wochen.” Im Gespräch stellte sich heraus: Gemeint waren nicht „ein paar Bilder”, sondern die komplette Ausstattung — Renderings für das Exposé, Material für die Projektwebsite, möblierte Grundrisse für die Maklerin und idealerweise noch etwas Bewegtbild für Social Media. Das ist ein völlig normaler Fall. Aber zwischen „ein paar Bilder” und einem durchdachten Vermarktungspaket liegen ein paar tausend Euro — und genau über diese Spanne sollten Sie vor dem Projektstart Bescheid wissen.

In diesem Beitrag schlüssle ich auf, was in ein vollständiges Präsentationspaket für Bauträger gehört, was die einzelnen Bestandteile realistisch kosten und an welchen Stellen Sie sparen können, ohne dass es der Vermarktung wehtut.

Warum das Material fertig sein muss, bevor der Bagger kommt

Der Ablauf ist bei fast jedem Wohnbauprojekt gleich: Die Vermarktung startet üblicherweise drei bis sechs Monate vor Baubeginn — so beschreibt es etwa der Vertriebsphasen-Leitfaden von immothinx. Dazu kommt der Druck von der Finanzierungsseite: Banken verlangen in der Bauträgerfinanzierung regelmäßig eine Mindest-Vorverkaufsquote, bevor sie Mittel freigeben. Das heißt im Klartext: Sie verkaufen Wohnungen, die es physisch noch nicht gibt — und das einzige, was Ihre Käufer zu sehen bekommen, ist Ihr Präsentationsmaterial.

Der Markt macht diese Aufgabe gerade nicht leichter. Laut dem 1. Österreichischen Neubaubericht des WKÖ-Fachverbands der Immobilien- und Vermögenstreuhänder (gemeinsam mit dem GBV) wurden 2025 in Österreich 24.534 Wohnungen fertiggestellt, für 2026 werden rund 27.100 erwartet — eine leichte Erholung, aber weit unter dem Niveau von 2024. Gleichzeitig stammen 61 Prozent der Wohnbauleistung von gewerblichen Bauträgern, und 43 Prozent des Angebots sind kleine Ein- bis Zwei-Zimmer-Wohnungen. Übersetzt: Viele Anbieter konkurrieren um preissensible Käufer mit ähnlichen Grundrissen. Wer da mit zwei lieblos gerenderten Ansichten antritt, überlässt den Vorsprung der Konkurrenz.

Wie eine einzelne Wohnanlage überzeugend in Szene gesetzt wird, habe ich im Beitrag über die Visualisierung von Mehrfamilienhäusern beschrieben — hier geht es um das Gesamtpaket darüber.

Was in ein komplettes Vermarktungspaket gehört

Aus meiner Projektpraxis besteht ein vollständiges Paket für ein Wohnbauprojekt aus fünf Bausteinen:

Außenansichten — das Aushängeschild

Zwei bis vier Perspektiven: die Hauptansicht von der Straße, eine Eckperspektive, je nach Lage eine Garten- oder Hofansicht. Die Hauptansicht ist das Bild, das auf Bautafel, Exposé-Titel und Projektwebsite landet — hier entscheidet sich der erste Eindruck.

Innenraumvisualisierungen — Wohngefühl statt Grundriss-Raterei

Ein bis drei Schlüsselräume, typischerweise Wohn-Essbereich einer attraktiven Einheit, dazu eventuell Bad oder Dachterrassen-Blick. Käufer kleiner Wohnungen entscheiden über das Gefühl — genau das Segment, das laut Neubaubericht den Markt dominiert.

Möblierte 3D-Grundrisse

Für jede Wohnungstype ein möblierter Grundriss. Unspektakulär, aber in der Maklerpraxis das meistgenutzte Einzelstück: Käufer verstehen Raumaufteilungen erst, wenn Möbel drinstehen.

360°-Rundgang durch die Musterwohnung

Ein render-basierter Rundgang ersetzt die Musterwohnung, die es noch nicht gibt. Wichtig zu wissen: Die oft zitierten Niedrigpreise für virtuelle Touren (Plattformen wie omnia360 listen foto-basierte Pakete ab rund 490 Euro) gelten für Bestandsgebäude mit Kamera vor Ort. Bei einem Neubauprojekt muss jeder Standpunkt gerendert werden — der Aufwand liegt näher an mehreren Einzelvisualisierungen als an einem Fototermin.

Aus meiner Erfahrung lohnt sich der Rundgang ab mittleren Projektgrößen, sobald mehrere Einheiten denselben Wohnungstyp teilen: Ein einziger durchgerenderter Musterwohnungs-Rundgang bedient dann zehn oder fünfzehn Verkaufsgespräche gleichzeitig. Bei einem kleinen Projekt mit sechs individuellen Einheiten ist das Geld in einer zusätzlichen starken Innenraumperspektive meist besser angelegt.

Kurzfilm oder Animations-Teaser

Dreißig bis sechzig Sekunden für Social Media und Projektwebsite. Kein Muss — dazu unten mehr.

Die ehrlichen Preisspannen

Für Österreich nennt der Baukostenrechner von daibau für professionelle 3D-Visualisierungen eine Spanne von etwa 600 bis 3.000 Euro pro Bild; die Preisliste von visualisierungskompass.de ordnet hochwertige Einzelrenderings bei 850 bis 1.700 Euro ein. Das deckt sich mit meiner Erfahrung — entscheidend ist, was im Preis tatsächlich enthalten ist (Modellaufbau, Umgebung, Korrekturschleifen).

BausteinRealistische Spanne
Außenansicht (erste Perspektive)800 – 1.700 €
Weitere Perspektivendeutlich günstiger, da das Modell steht
Innenraumvisualisierung600 – 1.500 € pro Raum
Möblierter 3D-Grundriss100 – 300 € pro Type
Render-basierter 360°-Rundgangab ca. 2.000 € je nach Standpunkten
Animations-Teaser (30–60 Sek.)4.000 – 8.500 €

Ein Wort zu den weiteren Perspektiven, weil das der größte Hebel in der Kalkulation ist: Sobald das 3D-Modell mit Materialien und Beleuchtung einmal aufgebaut ist, kostet jede zusätzliche Kameraposition nur noch einen Bruchteil der ersten. In meinen Projekten kalkuliere ich Folgeperspektiven deshalb spürbar günstiger — es wäre unseriös, jedes Bild zum Vollpreis anzusetzen. Was ein einzelnes Bild kostet und welche Faktoren den Preis treiben, habe ich im Kostenüberblick zur Architekturvisualisierung im Detail aufgeschlüsselt.

Bei der Animation lohnt ein genauer Blick auf die Länge: Der Preis hängt laut visualisierungskompass primär an der Videodauer. Ein knackiger 30-Sekunden-Teaser erfüllt für die Projektvermarktung fast immer denselben Zweck wie ein Zwei-Minuten-Film — zum Bruchteil der Kosten. Die Preisfaktoren von 3D-Animationen habe ich separat behandelt.

Beispielrechnung: das typische Projekt mit 28 Wohnungen

Der Neubaubericht beziffert die durchschnittliche Projektgröße in Österreich mit 28 Wohnungen. Für so ein Projekt sähe ein vernünftiges Paket etwa so aus:

  • Basispaket (kleines Projekt, enges Budget): 2 Außenansichten + 1 Innenraum + möblierte Grundrisse aller Typen — realistisch 3.500 bis 6.000 Euro.
  • Standardpaket (das, was ich am häufigsten umsetze): 3 Außenansichten + 2 Innenräume + Grundrisse + render-basierter 360°-Rundgang durch eine Musterwohnung — realistisch 8.000 bis 13.000 Euro.
  • Komplettpaket (größeres Projekt, mehrstufige Vermarktung): Standardpaket plus 30-Sekunden-Teaser und zusätzliche Detailperspektiven — realistisch 13.000 bis 20.000 Euro.

Zur Einordnung: Bei 28 Wohnungen entspricht selbst das Komplettpaket meist deutlich unter einem Prozent des Projektvolumens. Wenn gutes Material auch nur eine einzige Wohnung einen Monat früher verkauft, hat sich der Unterschied zwischen Basis- und Standardpaket über die gesparten Zwischenfinanzierungskosten bereits relativiert — diese Rechnung stelle ich Bauträgern regelmäßig auf, und sie geht praktisch immer zugunsten des besseren Materials aus.

Die drei Fehler, die ich am häufigsten sehe

Zu spät beauftragt

Der Klassiker: Die Vermarktung soll in sechs Wochen starten, die Einreichpläne liegen seit Monaten fertig in der Schublade — aber die Anfrage für das Material kommt erst jetzt. Dann wird es eng für Korrekturschleifen, und ausgerechnet beim wichtigsten Bild des Projekts entscheidet der Termindruck statt der Qualitätsanspruch. Die Produktion eines kompletten Pakets braucht je nach Umfang zwei bis sechs Wochen, und gute Visualisierer haben Vorlaufzeiten.

Material nicht kanalgerecht gedacht

Ein Rendering, das auf der Projektwebsite im Querformat brilliert, funktioniert nicht automatisch als Social-Media-Posting im Hochformat oder als Bautafel in Druckauflösung. Wer die Kanäle vor der Beauftragung definiert, bekommt die passenden Formate und Auflösungen in einem Durchgang — nachträgliche Format-Adaptionen kosten unnötig Geld und sehen oft nach Kompromiss aus.

Bildsprache aus drei verschiedenen Quellen

Außenansichten vom einen Anbieter, Grundrisse vom Planungsbüro, der 360°-Rundgang von einer Online-Plattform — und im Exposé passt nichts zusammen: andere Lichtstimmung, andere Möblierung, andere Materialanmutung. Käufer können nicht benennen, was sie stört, aber sie spüren die Brüche. Ein Paket aus einer Hand wirkt wie ein Projekt aus einem Guss — das ist der eigentliche Grund, warum ich Pakete statt Einzelbilder empfehle.

Wo Sie sparen können — und wo es sich rächt

Ehrlichkeit gehört dazu, also beides klar benannt.

Sparen ist vernünftig beim Film (ein Teaser ist für die meisten Projekte unter 30 Einheiten verzichtbar, wenn Budget knapp ist), bei der Anzahl der Innenraumbilder (ein starker Wohnbereich schlägt drei mittelmäßige Räume) und bei Spezialwünschen wie Tag-Nacht-Varianten derselben Perspektive.

Sparen rächt sich bei der Hauptansicht — sie ist auf jedem Kanal das erste Bild und trägt die gesamte Vermarktung. Ebenso bei den möblierten Grundrissen: Sie kosten wenig und sind das Arbeitspferd jeder Käuferberatung. Und schließlich beim Umgebungskontext: Ein Gebäude, das ohne reale Nachbarschaft im Nichts schwebt, wirkt austauschbar — gerade in Vorarlberg, wo Käufer die Straßenzüge kennen, fällt das sofort auf. Wie ich Projekte in der Region einbette, zeige ich auf der Seite zur Architekturvisualisierung in Vorarlberg.

Wann Sie beauftragen sollten — und was ich dafür brauche

Rechnen Sie rückwärts: Vermarktungsstart drei bis sechs Monate vor Baubeginn, davor zwei bis sechs Wochen Produktionszeit für ein komplettes Paket (je nach Umfang und Korrekturschleifen), davor Ihre interne Abstimmung. Im Idealfall holen Sie mich an Bord, sobald die Einreichplanung steht.

Für den Start brauche ich erfahrungsgemäß: die Pläne (CAD oder PDF), eine Materialliste für Fassade, Fenster und Beläge, einen Lageplan plus ein paar Fotos der Umgebung — und idealerweise ein bis zwei Referenzbilder, deren Stimmung Ihnen gefällt. Mehr nicht. Alles Weitere kläre ich im ersten Gespräch.

Wenn Sie gerade ein Projekt Richtung Vermarktungsstart schieben: Schicken Sie mir die Eckdaten über das Kontaktformular — Sie bekommen innerhalb von 24 Stunden eine ehrliche Einschätzung, welches Paket zu Projektgröße und Budget passt, inklusive konkretem Preisrahmen.